Berufsbild Physiotherapie

Rückblick

Die Maßnahmen der Physiotherapie sind so alt wie die Medizin.
Bereits im fünften vorchristlichen Jahrhundert wurden Maßnahmen wie Bäder und
Massageformen in Schriften erwähnt. Die Bäder dienten damals schon der Behandlung,
aber auch religiösen und hygienischen Zwecken. Zur römischen Kaiserzeit entdeckte man
die positive Einwirkung der aktiven Therapie - der Bewegungstherapie.
Im 18. Jahrhundert wurde schließlich die Elektrotherapie entwickelt. Ende des
19. Jahrhunderts erlebte die Physiotherapie einen markanten Aufschwung. Man entdeckte
den positiven Einfluss der Bewegungstherapie auf Herz-Kreislauferkrankungen. Die chirurgischen
Möglichkeiten waren noch sehr eingegrenzt. Daher konnten zum Beispiel durch internistische
Erkrankungen hervorgerufene Gelenk-und Knochendeformitäten nur mit Bewegungstherapie
behandelt werden.

1900 eröffnete die erste Physiotherapieschule mit staatlicher Anerkennung , die" Kieler
Lehranstalt für Heilkunst ". Der Beruf fand sehr schnell Beachtung. Der Wert der
heilgymnastischen Behandlung zeigte sich vor allem bei der erfolgreichen Behandlung
verwundeter Soldaten der beiden Weltkriege. Eine Vielzahl weiterer Schulen wurde gegründet.
Die Bezeichnung änderte sich in "Krankengymnastik".

Neue Behandlungsmethoden wurden erforscht und entwickelt. Damit ergaben sich in den
Arbeitsfeldern Orthopädie, Innere Medizin und Chirurgie zahlreiche neue Einsatzmöglichkeiten
für Krankengymnasten. Heute ist die Krankengymnastik (Physiotherapie) aus der Medizin
nicht mehr wegzudenken. Die bewährten Methoden sind weiter entwickelt worden und auf
dem neuesten Stand der Medizin. Zahlreiche Therapiemethoden und damit neue
Einsatzmöglichkeiten sind hinzugekommen, so dass die Physiotherapeuten für jedes
Krankheitsbild einen individuellen Therapieplan entwickeln können.
Übrigens: 1994 wurde eine Änderung des Berufsrechts durchgeführt. Für den Begriff
"Krankengymnast" hat das einschlägige Gesetz (MphG) den neuen Begriff "Physiotherapeut"
geprägt, der international üblich ist.

Das Aufgabenspektrum der Physiotherapie

Befund

Der/die Physiotherapeut/Physiotherapeutin arbeitet gemeinsam mit dem Patienten daran,
Störungen der Gesundheit vorzubeugen sowie Funktionen und Fähigkeiten zu erhalten,
wiederherzustellen und zu verbessern. Gestützt auf die Diagnose des Arztes, erstellt der
Physiotherapeut seinen Befund. Das heißt, er untersucht den Patienten, um genau
festzustellen, wann und wo dieser welche Art von Funktionsstörungen bzw.
Schmerzen hat. Zunächst erhebt der Therapeut eine Anamnese, d.h.er sammelt Angaben
zum Krankheitsverlauf und erstellt einen Sicht-, Tast-, Sensibilitäts-, und
Funktionsbefund. Durch die Befunderhebung macht sich der Therapeut ein komplexes Bild
über die Beschwerden des Patienten.
Dabei ist es dem Physiotherapeuten wichtig, diese mit der Ursache in Zusammenhang
zu bringen, denn nicht immer sind Ursache und Wirkung am gleichen Ort. So kann z.B.
ein Tennisellbogen ausgelöst werden durch eine Fehlfunktion im Schulter-Nackenbereich.
Die Physiotherapeuten arbeiten also dahingehend, den gesamten Menschen zu
betrachten und zu befunden - nicht nur kleine Teilbereiche.

Behandlung

Auf der Basis der Befunderhebung erstellt der Therapeut seinen Behandlungsplan mit Nah-
und Fernzielen. Zur Behandlung stehen ihm differenzierte Behandlungstechniken zur Verfügung,
die er entsprechend des individuellen Krankheitsbildes einsetzt. Dazu gehören die
Grundtechniken, aber auch spezielle Verfahren, die der Therapeut durch gezielte
Weiterbildungen erlernt.

Ziele
Fernziel der Physiotherapie ist es:
-eine Krankheit zu heilen, ihre Verschlimmerung zu verhüten oder Beschwerden zu vermindern.
-eine Schwächung der Gesundheit, die in absehbarer Zeit voraussichtlich zu einer Krankheit
 führen würde, zu beseitigen.
-der Gefährdung der gesundheitlichen Entwicklung eines Kindes entgegenzuwirken.
-die Eigenständigkeit des Patienten weitgehend zu erhalten bzw. zu optimieren.

Nahziel der Physiotherapie ist:
-die Schmerzlinderung
-die Regulation der Muskelspannung
-die Verbesserung der Beweglichkeit
-die Steigerung von Muskelkraft und Ausdauer
-die Verbesserung von Koordination und Gleichgewicht
-die Erarbeitung einer aufrechten Haltung
-die Regulation der Atmung
-die Verbesserung der Herz-, Kreislauf- und Organfunktion
-die Beseitigung oder Verminderung von Funktionsstörungen im täglichen Leben
-dass Erarbeiten von Kompensationsmöglichkeiten bei Behinderungen
-die Beherrschung ökonomischer Bewegungsabläufe in Beruf und Freizeit
-die Hilfe zur Selbsthilfe des Patienten

Zu den Aufgabenfeldern der Physiotherapie gehören die medizinischen Bereiche
der Prävention d. h., der vorbeugenden Maßnahmen,
der Kuration d.h. das Behandeln akuter und chronischer Beschwerden,
der Rehabilitation d.h. Maßnahmen zur Wiedereingliederung in Arbeit, Beruf und Alltag.

Die Physiotherapie bietet ein großes Behandlungsspektrum.
Bei Erkrankungen aus allen medizinischen Fachbereichen in allen Altersstufen hilft
die Physiotherapie mit ihren vielfältigen Möglichkeiten.
Eine wesentliche Aufgabe des Physiotherapeuten ist eine Behandlung, die darauf
abzielt, das Bewegungsverhalten des Patienten in seinem Beruf und seiner Freizeit
zu optimieren. So gibt es vielfältige Arbeitsbereiche in der Sport- und Arbeitsmedizin.

Der Physiotherapeut arbeitet zunächst aufgrund einer ärztlichen Verordnung, d.h.
der Patient benötigt eine Verordnung von einem Haus- oder Facharzt seiner Wahl.
Die Kosten übernimmt dann die Krankenkasse. Allerdings ist ein gesetzlich vorgegebener
Eigenanteil zu leisten. Dies gilt allerdings nur soweit der Patient zuzahlungspflichtigt ist.

Darüber hinaus bietet der Physiotherapeut präventive (vorbeugende) Leistungen an, die
eigenverantwortlich in Anspruch genommen werden können. Die Maßnahmen der
sogenannten Primär- bzw.Tertiärprävention werden zum Teil von der gesetzlichen
Krankenkasse finanziell unterstützt.

 

       
     

 

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